Die Spieler

Thomas Bohrer

Am 18 September 1950 wurde ich in Ratzeburg geboren. Schon mit vier Jahren fing ich an, mich für das Kaspertheater aktiv zu interessieren. Das war auch nicht verwunderlich, denn mein Großvater Karl Pechaschek war selbst Kasperspieler. Ich wünschte mir mit fünf Jahren eine Bühne und bekam ausrangierte, kleine Figuren von meinem Großvater. Ich kombinierte die Figuren mit einfachen Gummifiguren aus dem Handel. So spielte ich auf der Straße, in Kindergärten, später mit 10 Jahren auch auf Feiern von Vereinen. Ich spielte stets alleine.

Da ich keine festen Sücke spielte, habe ich die Geschichten beim Spielen entwickelt. Bis zum 12./13.Lebensjahr habe ich mich mit dem Kaspertheater beschäftigt. Dann habe ich Menschentheater gemacht. Komödien wurden gespielt. Meist waren es Stücke von Arnold und Bach, welche auch vom Ohnsorg-Theater in Hamburg gespielt wurden. Erst viel später, Anfang der 80er Jahre, als ich nach Münster zog und Wilfried Plein kennenlernte, kam ich zum Kaspertheater zurück. Wir spielten erst zu zweit, doch dann haben wir uns als Einzelspieler entwickelt.

Seit 1990 leiten Wilfried Plein und ich gemeinsam das von Wilfried schon 1986 auf der Körnerstraße eröffnete Theater.

Wilfried Plein

Werdegang

1952 geboren in Duisburg

1971-78 Studium Philosophie, Germanistik und Kunst

1976-82 Kunst- und Werklehrer am Kantgymnasium in Münster (nebenberuflich)

ab 1982 Berufspuppenspieler - zunächst mobil und deutschlandweit, Schwerpunkt Hamburg

1986 Eröffnung einer festen Spielstätte in Münster (Puppentheater-Charivari), seitdem Theaterleiter

1990 steigt Thomas Bohrer als Berufspuppenspieler und zweiter Theaterleiter mit ein

1989-1996 Fortbildung zum Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten. Lehranalyse bei Dr. Udi-Jutta Schneewind (Wuppertal)

ab 1996 Schwerpunkt Theaterarbeit im "Charivari"

Autor von 30 Theaterstücken, 11 für Erwachsene, 19 für Kinder.
Autor von Drehbüchern und Puppenspieler auf DVDs für den Coppenrath Verlag.
Autor vor mehr als 50 Liedern für Kinder und Erwachsene.

2006 erscheint die CD "Wie neu" mit eigener Musik und eigenen Texten

Die Schwerpunkte seiner Arbeit sieht Wilfried Plein

Gedanken zum Kasperspiel

Ich sehe die schwarze Kasperbühne als einen Kasten, in dem das Unsichtbare sichtbar gemacht wird. Was sich in der Seele und zumeist im Unterbewußtsein eines Menschen abspielt, erscheint hier bei geöffnetem Vorhang. Das Unterste kommt nach oben:

Die Hexe, das ist die dunkle Seite der Mutter, das Urbild der verwöhnenden, überfürsorglichen und bedürftigen Mutter, kommt aus dem dunklen Wald, weil sie vom Kasper geträumt und sich in ihr Traumbild verliebt hat. Sie will ihn mit sich nehmen, betuddeln und beknuddeln, damit er das anstrengende Kapertheater nicht mehr spielen muß.

Der Teufel, das ist die dunkle Seite des Vaters, das Urbild des gefühlskalten, herrschenden oder abwesenden Vaters, kommt mit Pfeifton und Knall aus der Unterwelt und will Kaspers Seele.

Das ist der Ausgangspunkt. Da ist einer mit einem männlichen Namen (obwohl er, meines Erachtens nach, nicht das Männliche, sondern das Kindliche vertritt), und dieses Wesen strotzt vor Lebendigkeit, ist laut und agil und hat eine Patsche, um jedem auf die Finger zu hauen, der ihm an die Wäsche will. Und dieses quirlige, dem Leben vertrauende Menschenkind wird mit habsüchtigen und machtgierigen Menschen konfrontiert: die Welt der "Verwachsenen" stürzt sich auf das junge Leben. Der Räuber, der Doktor, die Hexe, der Pfarrer, der Tod, der Teufel, der Polizist, das Krokodil, der Bürgermeister, der Zauberer... - sie alle wollen dem Kasper etwas nehmen, am Ende sogar sein Innerstes, seine Seele.

Welch ein Jauchzen, wenn das eine Stunde dauert, dass dies nicht gelingt! Das ist Kaspertheater. Es gelingt den "verwachsenen" Mächten nicht, das Kindliche und sich ewig Erneuernde zu besiegen. Es wird geschlagen und geschrien, gefurzt und geneckt, und am Ende aller Verfolgungsjagden hat der Kasper den Teufel in den Sack gesteckt. Und oben, auf dem Dachboden, stehen schon 365 Säcke mit je einem Teufel drin, für jeden Tag einen.

Ich blicke mit Freude auf das, was in 30 Jahren gewachsen ist. Aus der alten Kasperbühne von Karl Pechaschek und etwa 20 alten Figuren ist ein fester Spielbetrieb mit rund 250 Aufführungen und 14.000 Zuschauern jährlich geworden, dazu gibt es Sonderaufführungen und Gastspiele außerhalb. 39 Stücke sind im Repertoire.

Ich sehe es als Aufgabe, das Kaspertheater - wie auch die Märchen - aus der Verbannung in die Kinderecke zu erlösen und sie wieder als das zu verstehen, was sie einmal waren: als Geschichten auch für Erwachsene.